Konvent für Deutschland: “Forget it!”
Montag, 15. Juni 2009Ein Think-Tank von Polit-Pensionären will die Republik retten. Doch die nicht mehr ganz frischen Ideen aus dem Konvent will keiner mehr hören.
Ein Think-Tank von Polit-Pensionären will die Republik retten. Doch die nicht mehr ganz frischen Ideen aus dem Konvent will keiner mehr hören.
Maria-Elisabeth Schaeffler von der Schaeffler KG (INA) versteht es offenbar, Menschen für sich zu instrumentalisieren. So scheute sie nicht davor zurück, Tausende Mitarbeiter des Schaeffler-Konzerns zum Einfordern von Steuergeldern für ihren Konzern vor den Wagen zu spannen. Dabei ist es alleine auf die gierige Übernahme der Continental AG zurückzuführen, dass der Schaeffler-Konzern überhaupt in Not geraten ist. Frau Schaeffler hat sich schlicht verzockt und erwartet nun, dass die Steuerzahler auch für sie - die Bankster haben das ja auch schon erfolgreich hinbekommen - die Suppe auslöffeln. Ich denke aber, dass der Steuerzahler und damit der Staat nicht dazu verpflichtet ist, die Wachstumsgelüste einer weiblichen Heuschrecke zu finanzieren.
Bereits im September 2001 startete die als listige Witwe bekannte Maria-Elisabeth Schaeffler die Übernahme des börsennotierten Konkurrenzunternehmens FAG Kugelfischer durch den Familienkonzern INA, pflegte aber zugleich weiter den Ruf einer “guten Mutter”. Doch von diesem weichen Image sollte man sich nicht täuschen lassen. Wie meinte Frau Schaeffler doch selbst einmal:
“Mit einem Schmusekurs kommt man nicht weiter”
Genau dies sollte die Politik bedenken und beispielsweise den Verkauf der Anteile an der Continental AG anregen, damit die Schaeffler KG wieder in ruhigere Fahrwasser kommt. Nun mit der Arbeitsplatz-Keule die Steuerzahler anzubetteln, ist schon ganz schön perfide. Denn letztlich wäre heute kein einziger Arbeitsplatz im Schaeffler-Konzern in Gefahr, wenn man sich die Übernahme von Conti verkniffen oder diese auf einen späteren Termin verlegt hätte. Ich bezweifle, dass man im Hause Schaeffler nicht die Finanzmärkte beobachtet, welche schon Anfang 2008 deutliche Merkmale einer Krise zeigten.
Vielleicht war Maria-Elisabeth Schaeffler aber auch zu sehr damit beschäftigt, ihre Bande zu Manfred Pohls Frankfurter Zukunftsrat (FZR) zu knüpfen, wo sie zum 01. Februar 2009 den Vorsitz des Kuratoriums übernahm. Frau Schaeffler sollte sich jedenfalls besser auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren und sich um ihr Unternehmen kümmern, anstatt auf der einen Seite um Milliarden vom Steuerzahler zu bitten, während sie auf der anderen Seite - wohl unentgeltlich - für einen schäbigen Lobbyistenverein wie den Frankfurter Zukunftsrat tätig wird.
Der Steuerzahler hat es jedenfalls nicht zu vertreten, wenn Frau Schaeffler das Wachtum ihrer Firma offenbar auf dem Rücken ihrer instrumentalisierten Mitarbeiter bewerkstelligen will. Und ihre Zeit könnte sie im kriselnden Unternehmen sicher besser einsetzen als im neoliberalen Lobbyistenclub des Frankfurter Zukunftsrates. Aber vor allem sollten Maria-Elisabeth Schaeffler und ihre Familie erst einmal mindestens 80% ihres Vermögens in die Firma stecken müssen, bevor auch nur daran gedacht wird, ihr einen Cent aus Steuergeldern zu leihen - Geschenke auf Kosten des Steuerzahlers braucht diese Milliardärin sowieso am wenigsten, so dass maximal an ein Darlehen oder eine Teilhaberschaft des Staates nachgedacht werden sollte.
Liebe Frau Schaeffler, hören Sie auf zu jammern, spucken Sie in die Hände und nehmen Sie vor allem erstmal Ihr Privatvermögen in die Hand um Ihre Firma zu retten. Alles andere wäre unanständig!
Der Konvent für Deutschland ist in diesem Blog schon mehrfach zu Recht für seine verachtenswerte Menschenfeindlichkeit angegriffen worden. Dort sitzen einige vermögende und prominente Ewiggestrige herum und würden unser Land am liebsten komplett nach ihren faschistoiden Wahnideen umkrempeln. Einige davon haben sich nun auch als Feinde der Umwelt geoutet, denn sie haben über den Campus-Verlag ein neues Buch veröffentlicht: Mut zum Handeln - Wie Deutschland wieder reformfähig wird. Die über 600 Seiten je Exemplar dieses Buches dürften so einigen Bäumen das Leben gekostet haben. So sorgt der Konvent für Deutschland auch ganz direkt für ein schlechteres Klima in Deutschland, nicht nur gesellschaftlich.
Inhaltlich bietet das Pamphlet von Roman Herzog, Klaus von Dohnanyi, Hans-Olaf Henkel, Manfred Pohl, Wolfgang Clement und Jane Uhlig nichts Neues. Das übliche Herumgeheule der Wirtschaft über angeblich zu hohe Lohn- und Sozialkosten wurde von diesen Wirtschaftslobbyisten langatmig zwischen zwei Buchdeckel gepresst und soll nun von den Bürgern als angeblich innovatives Machwerk auch noch für einen horrenden Preis von 39,95 Euro gekauft werden. Dieses Geld spendet man lieber für ein Naturprojekt, arme Kinder oder den Tierschutz anstatt es dem Campus-Verlag und den prominenten Lügenbolden vom Konvent für Deutschland in den Allerwertesten zu pusten.
Ich habe im Moment nicht die Zeit, mich umfassender mit dem monotonen Reform-Geschwafel des ewiggestrigen Seniorenclubs um Roman Herzog und PR-Profi Jane Uhlig auseinander zu setzen, daher verweise ich an dieser Stelle auf Beiträge anderer Blogger sowie der taz:
Vielleicht hört Roman Herzog noch irgendwann auf zu Ruckeln, denn für die Menschen in Deutschland hat er eh nichts Positives zu bieten. Er agiert als Sprachrohr der Industrie und liefert so für einen ehemaligen Bundespräsidenten ein ähnlich erbärmliches Bild ab wie Gerhard Schröder als ehemaliger Bundeskanzler mit seiner heutigen Tätigkeit für einen russischen Gaskonzern.
Das Geld für den Kauf und die Zeit für die Lektüre von Mut zum Handeln kann man sich jedenfalls sparen. Oder wie es Feynsinn formulierte: “Liegen lassen, Lektüre lohnt nicht.”
PS: Amüsant ist übrigens, dass offenbar selbst die Autoren das Buch noch nicht gelesen haben. Das ist aber auch gar nicht notwendig, denn das Agenda Setting des Konvents für Deutschland, welches in dem Buch zu finden ist, sollte den Verfassern ja ohnehin bekannt sein.