Archiv für Juni 2007

Über Manfred Pohl (Konvent für Deutschland) in der Schweizer Wochenzeitung

Mittwoch, 27. Juni 2007

Die Schweizer Wochenzeitung widmet sich in ihrem Artikel Der Staat als Aktiengesellschaft dem Konvent für Deutschland und seinem Vorstandsmitglied Manfred Pohl:

Zur Propagierung von sozialen wie institutionellen Reformen gründete der Präsident des Unternehmerverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, im Jahr 2000 die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM). Sie wird von Gesamtmetall jährlich mit einem dreistelligen Millionenbetrag unterstützt. Nach ihrem Vorbild ist seitdem eine Reihe von weiteren Organisationen entstanden, die mit Hilfe von Plakataktionen, grossformatigen Zeitungsanzeigen, TV-Spots und prominenten Vorzeigefiguren der Bevölkerung die Interessen der Wirtschaft näherzubringen versuchen. Eine dieser Vereinigungen ist der 2003 gegründete Konvent für Deutschland. Sein Aushängeschild ist der ehemalige deutsche Bundespräsident Roman Herzog. Zu den treibenden Kräften des Konvents für Deutschland gehört der als ständiger Talkshowgast den meisten BundesbürgerInnen gut bekannte ehemalige Präsident des Bundesverbandes deutscher Industrieller Hans-Olaf Henkel. Lange Zeit mehr im Hintergrund tätig war der Geschäftsführer des Konvents, Manfred Pohl. Als hauseigener Historiker der Deutschen Bank hat dieser Mann mit viel Geld im Rücken eine Menge dazu beigetragen, dass sich die in die Naziverbrechen verstrickten deutschen Grossunternehmen wenigs­tens im Nachhinein als scheinbar beflissene Geschichtsaufarbeiter in ein gutes Licht setzen konnten.

Bisher hat sich Pohl mit der Rolle eines Organisators, Geldbeschaffers und diskreten Strippenziehers begnügt. Nun aber hat er selbst das Rampenlicht gesucht. Am 16. Februar präsentierte er auf einer Pressekonferenz in Berlin sein neues Buch mit dem effektheischenden Titel «Das Ende des Weissen Mannes. Eine Handlungsaufforderung.» Auf der Website des Konvents für Deutschland wird das Buch prominent angepriesen. Worum geht es in der Schrift? Ganz im Sinne der neoliberalen Ideologie pos­tuliert Pohl den radikalen marktwirtschaftlichen Wettbewerb auf allen Ebenen. Das fängt schon in der Schule an: Anstatt dass gleiche Startbedingungen für Kinder aller Schichten geschaffen und eine demokratische Allgemeinbildung gesichert werden, sollen die Menschen schon in der Schule «zu mehr Arbeit und mehr Leiden» erzogen werden. Da nur fünf Prozent der Menschen in der Lage seien, intellektuelle Höchstleis­tungen zu vollbringen, müsse diese geis­tige Elite «frühzeitig aus dem Durchschnitt herausgefiltert» werden. Rund zwanzig Prozent der SchülerInnen seien überhaupt «nicht bildungsfähig, egal wie viele Millionen für ihre Bildung aufgewandt werden».

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Die ZAF hat zudem eine frei zugängliche Version des Artikels der Jungen Welt über Manfred Pohls Visionen von einer Rassistischen Hochkultur ausfindig gemacht:

Wer ist Manfred Pohl? Der 1944 geborene Wissenschaftler studierte nach einer Banklehre Germanistik, Geschichte, Philosophie und Volkswirtschaft an den Universitäten in Saarbrücken und Frankfurt am Main. Dort lehrt er seit 1981 Unternehmensgeschichte und seit 1992 als Honorarprofessor Internationales Bank- und Finanzwesen. Von 1972 bis 2004 leitete er das Historische Institut der Deutschen Bank. Gemeinsam mit dem ehemaligen Chef und lebenslangen Ehrenvorsitzenden der Deutschen Bank Hermann Josef Abs betrieb Pohl 1976 als junger Historiker die Gründung der Gesellschaft für Unternehmensgeschichte. Es folgten 1990 die European Association for Banking History und 1997 die Society for European Business History.

Kapitalistischer Missionar

Pohl hat es wie kein Zweiter verstanden, seine historischen Kenntnisse und organisatorischen Fähigkeiten in den Dienst des Kapitals zu stellen. In seiner beruflichen Laufbahn hat er drei wesentliche Dinge erkannt. Erstens ist eine gut geschriebene Unternehmensgeschichte ein wichtiges Marketinginstrument. Zweitens hilft sie den heutigen Großunternehmen dabei, sich durch eine demonstrative Aufarbeitung der Vergangenheit in ein gutes Licht zu stellen und von ihrer nach wie vor ausgeübten Macht abzulenken. Drittens läßt sich das betriebswirtschaftliche Wettbewerbs- und Effizienzdenken in der Öffentlichkeit gut als verständlichess Politikmodell verkaufen. Just zu diesem Zweck gründete Pohl im Oktober 2003 zusammen mit dem Unternehmensberater Roland Berger und Hans-Olaf Henkel in Berlin den Konvent für Deutschland e.V., dessen Geschäftsführendes Vorstandsmitglied er heute ist. Innenpolitisch geht es um die Verschärfung neoliberaler Politik und den Umbau der parlamentarischen Demokratie zu einem Politik-Unternehmen, das von direktdemokratisch legitimierten Erfüllungsgehilfen der Kapitaloligarchie regiert werden soll. Außenpolitisch soll das markwirtschaftliche Konkurrenzprinzip am besten dadurch propagiert werden, daß international agierende Unternehmen mehr als bisher in die Kultur und Bildung ihrer Gastländer investieren und auf diese Weise vor Ort gute Stimmung für die kapitalistische Sache machen. Den organisatorischen Rahmen für die neokoloniale Kulturmission des Kapitals gibt seit 2003 das von Pohl geleitete internationale Institute for Corporate Culture Affairs (ICCA).

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Kapitalisten sind Faschisten?

Angesichts solcher Ansichten und Umtriebe stellt sich die Frage, ob Kapitalisten nicht generell eher Faschisten als Humanisten sind. Aber das Thema werden wir in einem weiteren Artikel näher beleuchten.


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